Sonderausstellung im
Staatlichen Museum für
Völkerkunde München

vom 20. Juni bis 13. September 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Zur AUsstellung:

Schritt für Schritt nähert sich der Besucher einer ihm völlig fremden Welt. Er begibt sich auf eine virtuelle Reise um den halben Globus, von München zu den Sa in das Kastom Dorf Bunlap auf der Insel Pentecost/ Vanuatu. Die Sa haben vor vielen Jahren den Vorläufer des Bungeespringens „erfunden“. Fünf Männer aus Bunlap treten zugleich ganz real eine Reise an, von Vanuatu nach Deutschland, und wirken als Partner an der Ausstellung mit. Durch den Bau eines Modells ihrer Sprungtürme – ein traditioneller Naghol – auf dem Platz vor dem Museum wird dabei die Ausstellung in den öffentlichen Raum hinein erweitert und Raum für Begegnungen zwischen Besuchern und Gästen geschaffen. Der Weg durch die Räume im Museum führt den Besucher von der Peripherie an Juban Masken und einem Wohnhaus vorbei in das Zentrum des Dorfes, den Tanzplatz. Die Objekte und Installationen gewähren Einblick in die Lebenswelt der Kastom Sa. Sie scheinen aus einer anderen, vergangenen Zeit zu stammen. Sie tragen Penisbinde und Grasrock, lehnen Kirchen und Schulen ab. Sie kennen die „Welt draußen“ aus eigener Anschauung genau, haben sich jedoch - ganz bewußt! – dagegen entschieden und leben weiterhin sehr weitgehend nach den Regeln ihrer Vorfahren. In den letzten 50 Jahren haben die Kastom Sa  ihre Kultur erstaunlich hartnäckig gegen Zwänge von außen verteidigt. Dies überrascht angesichts eines zunehmenden Globalisierungsdruckes,  und widerspricht unseren Paradigmen von Fortschritt und Wachstum. Dennoch bedeutet Kastom keineswegs Stillstand, sondern ein ständiges kreatives und behutsames Weiterentwickeln einer eigenständigen Vision von Gesellschaft.

Die Ausstellung zeigt, daß wir wir in einer Welt der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" leben, in der unerwartete und erstaunlich individuelle kulturelle Entwicklungen möglich, sowie ein ständiges Überdenken des eigenen Standortes notwendig sind.

Kuration:

Dr. Thorolf Lipp, Martina Kleinert, Dr. Michaela Appel

 

Raum 1: Vorstellung der Gäste aus Bunlap

 

Raum 2: Im/ Wohnhaus und Telefon

 

Raum 2: Naghol/ Turmspringen und Juban/ Masken

 

Raum 3: Sara / Tanzplatz

 

Raum 1: Kastom

 

 

Begleitprogramm:

Das gesamte Angebot der die Ausstellung begleitenden Führungen
und Veranstaltungen können Sie sich hier als PDF herunterladen.

 

Finissage:

Donnerstag, den 10. September 2009,
ab 17:00 Uhr

Reisen zur Insel Pentecost - "Raga - Besuch auf einem unsichtbaren Kontinent" von Literaturnobelpreisträger Jean Marie Gustave Le Clézio im Dialog mit dem Projekt "UrSprung in der Südsee"

Lesung und Gesprächsrunde mit:

Beate Thill (Übersetzerin)
Manfred Metzner (Verlag Wunderhorn)
Martina Kleinert (Kuratorin)
Thorolf Lipp (Kurator)

Ab 19:00 Uhr - Südsee-Essen und Kava-Runde

 

Der französische Literaturnobelpreisträger J.-M.G.Le Clézio besuchte 2005 für einige Wochen die Insel Pentecost, Heimat der Turmspringer, und verfaßte darüber eine sowohl poetisch imaginäre wie historisch-kritisch reflektierte Reisebeschreibung. Sein Buch: „Raga. Besuch auf einem unsichtbaren Kontinent“ tritt nun in den Dialog mit der Sonderausstellung „UrSprung in der Südsee“ der beiden Ethnologen Martina Kleinert und Thorolf Lipp. Ihr Versuch, „lokales Wissen“ zu vermitteln, beruht auf mehreren Feldforschungen und versucht, die Kastom-Bewegung von Südpentecost in ihrer einzigartigen Eigenart darzustellen. So trifft Le Cleziós literarische Betrachtung, eingeführt und vorgetragen durch die Übersetzerin Beate Thill und den Verleger Manfred Metzner, auf Ethnologie, die zwar ebenfalls als Literatur verstanden werden kann, aber doch unter anderen Vorzeichen entstanden ist.

Beide Annäherungen bleiben europäische Perspektiven auf eine außereuropäische Lebenswelt. Den ergänzenden Kontrapunkt liefern daher die Ansichten unserer Partner aus Bunlap: Fotografien und Kommentare aus und über Deutschland von Betu Watas und Tolak Moltavil, die im Rahmen des Begegnungsprojektes im Sommer 2009 mehrere Wochen in Deutschland zu Besuch waren.  

Ein Gespräch über die Erfahrung des Fremden - und über narrative Strategien, damit umzugehen.

 

Zum AusstellungsOrt:

Das Staatliche Museum für Völkerkunde (errichtet 1859-65) ist mit seinen etwa 150.000 Objekten das zweitgrößte Völkerkundemuseum Deutschlands. Seine Bestände umfassen Objekte aus allen außereuropäischen Ländern. Es befinden sich neben besonderen Einzelstücken auch ganze von Forschern und Reisenden zusammengetragene Sammlungen hier.

Neben Kollektionen aus Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Afrika und Ozeanien bilden Sammlungen aus Süd-, Südost- und Ostasien wesentliche Schwerpunkte. Der hohe Anteil an Kunstwerken unter den Objekten macht das Museum auch für Kunstliebhaber interessant. Außerdem steht eine Präsenzbibliothek mit rund 20.000 Bänden zur Verfügung.

 

Staatliches Museum für Völkerkunde München
Maximilianstraße 42
80538 München

Öffnungszeiten: 
Di - So 9:30- 17:30

Öffentliche Verkehrsmittel:
U4, U5: Lehel; S-Bahn: Isartor; Tram 17, 19: Maxmonument

Telefon:+49-(0)89- 2101 36 100
Fax:+49-(0)89- 2101 36 247

 

Gitte Gesner, Thomas Kulik, Jacob Kapere, Tolak Moltavil, Mathias Wataskon, Betu Watas, Thorolf Lipp, Martina Kleinert (v.l.n.r.)