Juban Maske von Moses Watas, Bunlap

Das verlorene Gesicht

Vergessen und Erinnern
einer mythischen Kunst

 

vom 21. April bis 6. Juni 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Ausstellung:

In einem typischen Hainuwele Mythos, wie er überall auf der Welt vorkommt, wird bei den Sa in Pentecost im melanesischen Vanuatu Archipel folgendes überliefert:

„Als er alt geworden war, rief Singit alle seine Kinder zu sich und sagte ihnen: ‚Ihr sollt mich töten und alle Teile meines Körpers an unterschiedlichen Stellen vergraben. Vorher aber fertigt eine Juban meines Gesichtes an, damit Ihr mich nicht vergeßt.’ So geschah es. Die Kinder schnitzten eine Maske von ihres Vaters Gesicht, dann töteten, zerschnitten und begruben sie ihn. Aus den verschiedenen Teilen seines Körpers aber wuchsen die verschiedenen Yamsarten heran: aus seinen Beinen der lange, aus seinem Herz der runde Yams, aus den Knochen der dünne, harte, aus der Leber der ovale Yams, aus den Gedärmen wuchs der schlangenartig gedrehte und aus seinem Blut der kleine rote Yams.“

Obwohl die Sa in vielerlei Hinsicht auf eine erstaunliche kulturelle Kontinuität blicken können - das Schnitzen der Juban Masken geriet vor etwa sechzig Jahren in Vergessenheit. Erst urch eine Anregung von außen lebte die Erinnerung daran wieder auf und die Kunst wurde revitalisiert: Anfang der 80er Jahre waren zwei amerikanische Kunsthändler ins Dorf Bunlap gekommen. In einem Bildband ozeanischer Kunst hatten sie klassische Juban Masken gefunden und wollten nun solche erwerben - vergeblich. Alle Masken waren verkauft oder verrottet und niemand mehr in ihrer Herstellung geübt. Die Amerikaner aber hatten Abbildungen mitgebracht, sowie die Information, dass sich noch einige Juban im Nationalmuseum des Landes befänden. Die Dorfgemeinschaft schickte daraufhin einige Männer in die Hauptstadt, um diese Masken anzusehen und die Kunst wieder aufzunehmen. Heute ist, durch diesen Rückgriff ins Archiv, das Juban Schnitzen nicht nur wiederbelebt, sondern präsentiert sich variantenreicher und individueller denn je.

Die hier ausgestellten 20 Masken entstanden nach 1990. Sie werden heute nicht mehr mit den bis vor zwei Generationen üblichen Steinwerkzeugen, sondern mit Hammer und Meißel hergestellt. Stilistisch beziehen sich die Künstler dabei aber nach wie vor auf die wenigen noch erhaltenen Prototypen, die im Nationalmuseum von Vanuatu sorgsam gehütet werden.

 

Kuration:

Dr. Thorolf Lipp und Martina Kleinert

 

 

Finissage der Ausstellung am 04. Juni 2009

 

Finissage der Ausstellung am 04. Juni 2009

 

 

Zum Ausstellungsort:

Das Iwalewa-Haus ist eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Institution, die nicht nur kunst- und kulturwissenschaftliche Forschung betreibt, sondern diese Forschung auch in thematischen und monografischen Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Zumeist entstehen die Iwalewa-Projekte in enger Kooperation mit anderen Museen oder Häusern und werden von eigenen Katalogbüchern begleitet. Der Themenschwerpunkt liegt auf den Gebieten der zeitgenössischen Kunst, der Populärkultur, der Medien, insbesondere Fotografie und Film, und der afrikanischen Moderne.

 

IWALEWA-Haus
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